Geschichte
Was kostet das Münster?
Wer soll das bezahlen?
Wem gehört das Münster?
Aus dem 7. Jahrhundert ist eine "Sammelkirche" für vermutlich fünf verschiedene Ansiedlungen bekannt. Fundamente sind noch im "Alten Friedhof" in der Nähe der heutigen Pauluskirche vorhanden.
Diese Kirche "über Veld", das heißt, rund 1 km vor den
Mauern
der Stadt ist in unsicheren Zeiten schwer zu erreichen. Außerdem
wollen die Ulmer die Bedeutung ihrer Stadt auch durch eine bedeutende
Kirche
betonen:
| Nürnberger
Tand
die Spielzeugtradition Augsburger Pfand gemeint ist das Geldhaus der Fugger Ulmer Geld Ulm war durch Handel und Produktion reich regiert die Welt |
1377
Der Grundstein zum Neubau in der Stadt wird gelegt. Der Plan stammt
von Meister Heinrich II. Parler. Er bringt seine Erfahrungen von
Schwäbisch
Gmünd ein.
1381 bis 1387
Meister Michael Parler setzt den Bau fort mit seinen Erfahrungen aus
Prag. Der Bau am Langhaus beginnt; begonnen wird eine Basilika mit drei
gleich breiten Schiffen. Zwei Portale der alten Pfarrkirche über
Veld
werden abgebrochen und im Münster neu verwendet.
1387 bis 1391
Michael wird abgelöst von Meister Heinrich III. Parler. Auch er
hat Erfahrungen in Prag gesammelt.
1392
Ulrich von Ensingen wird nach Arbeiten in Prag und
Straßburg
mit der Fortsetzung des Baus beauftragt. Er hat die Vision eines 156
Meter
hohen Westturms, der von einer Maria gekrönt wird. Sein
Turmriß
hängt - in Kopie - in der südlichen Vorhalle.
1405
Münsterweihe. Die Gewölbe sind noch nicht begonnen; die
Kirche
hat ein Notdach.
1446 bis 1463
Matthäus Ensinger, Sohn von Ulrich, kommt von Bern und
übernimmt
die Weiterführung der Arbeiten. 1449 wird das Chorgewölbe
vollendet
(teilweise 1945 durch eine Sprengbombe zerstört, aber wieder
aufgebaut).
1452 ist die Einwölbung des Nordschiffs vollendet.
1477 bis 1494
Matthäus Böblinger ändert die Plaäne ab, beginnt
mit dem Bau des Westturms nach einem modifizierten Plan.
1492 treten die ersten Schäden auf. Ein Ausschuß von 28
Baumeistern wird einberufen. Sicherungsarbeiten am Turm und der
Abriß
der Seitengewölbe folgen, da Fundamente und Außenmauern
nachgegeben
haben. (Die Nordwand des Münsters ist heute noch bis zu 27 cm aus
dem Lot.) Die Seitengewölbe werden niederer gemacht und mit einer
Reihe von Zwischenpfeilern neu eingewölbt.
1530/31
Das Münster wird durch eine Volksabstimmung evangelisch. 87 %
der Bevölkerung wollen evangelisch werden. Der erste
Münsterprediger
ist Konrad Sam. Nach ihm heißt die Konrad-Sam-Kapelle rechts vom
Chor.
Dem Bildersturm fallen ca. 60 Altäre, darunter der Hauptaltar,
zum Opfer. Man sieht noch die Spuren der Spitzhacke, zum Beispiel in
der
Bessererkapelle oder in der Kargnische. (Auch heute gibt es wieder
Tendenzen
zu einem "Bildersturm", durch den das Gefallenengedenken des ersten
Weltkriegs
und der Erzengel Michael unter der Orgel entfernt werden soll.)
1543
Die Bauarbeiten kommen zum Stillstand.
1817
Der Bau wird innen grau ausgemalt; alle Fresken, darunter das
jüngste
Gericht über dem Chorbogen, verschwinden unter dem Grau.
1844
Die Bauhütte wird neu gegründet. Sie beginnt mit
Sicherungsarbeiten:
Fialentürme, Strebebögen. Die Osttürme werden ausgebaut.
(Parallel dazu wird die Bundesfestung Ulm gebaut, eines der
größten
Festungsbauwerke Europas.)
Ein Bild von ca. 1864 (Datierung von Altmünsterbaumeister Lorenz;
freundlich zur Verfügung gestellt von Herrn Walter Dubronner)
zeigt
einen Ausschnitt der Sicherungsarbeiten

1885 bis 1890
Der Hauptturm wird fertiggebaut. Der Architekt - August Beyer -
vollendet
anschließend den Turm des Berner Münsters (1893).
Ab 1880
Die Erhaltung des Bauwerks wird in Angriff genommen. Der Baufortschritt
wird in erster Linie durch die Finanzierungsmöglichkeiten
begrenzt.
Sie können durch Spenden zur Beschleunigung beitragen:
1890
Die Kreuzblume wird auf die Spitze des Turms aufgesetzt; der Bau ist
vollendet.
Wem gehört das Münster?
1894
Das Münster geht aus dem Besitz der Stadt Ulm in das Eigentum
der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm über.
Auszüge aus der Urkunde (durch Anklicken erhalten Sie die Texte in Druckschrift)

Ziffer 7 ist interessant:
"Die bürgerliche Gemeinde übernimmt die Deckung des
kirchlichen
Aufwands soweit hierzu die Mittel des Stiftungs Vermögens nicht
zureichen
sollten."
Die Urkunde mußte von verschiedenen Behörden genehmigt werden:
Zu der Frage, was das Münster kostet, ist der Brandversicherungs Anschlag von 1890 aufschlußreich. Hier wird eine Summe von
2 153 400 Mark
genannt.
(Bisher unbekannt ist, ob damals auch ein jährlich
veränderter
Multiplikator verwendet wurde. Wahrscheinlich ist dies nicht, da damals
niemand an eine laufende Geldentwertung dachte.)
Geld hat über die Jahrhunderte hinweg stets eine Rolle gespielt.
Von der Grundsteinlegung wird berichtet, daß zum Ende der Feier der damalige Bürgermeister seine Geldbörse auf den Grundstein ausgeleert hat und dann alle Bürger es ihm nachgetan haben.
Während der ersten Bauphase haben Vermächtnisse eine wichtige Rolle gespielt. Die zahlreichen Totenschilder im Münster zeugen noch davon.
Aus der zweiten Bauphase wird erzählt, daß der Bürgermeister Haßler sich in zahlreichen auswärtigen Vorträgen als "Reisender für das größte Haus Deutschlands" bezeichnet hat. Er hat damals viel Geld eingeworben.
Eine weitere Geldquelle im 19. Jahrhundert waren neben Fan-Artikeln auch Lotterien. Diese mußten natürlich von der königlichen Kreisregierung genehmigt werden:
Zu allen Zeiten hat die Ausgabe von Gedenkmünzen zur Finanzierung der Aufwendungen für das Münster beigetragen. Das Bild zeigt eine Seite der Gedenkmünze zur 600-Jahr-Feier der Grundsteinlegung:

Zu Beginn dieses Jahrhunderts ist nun eine neue gewaltige Anstrengung nötig, um unser wundervolles Münster für künftige Generationen zu erhalten. Bitte unterstützen Sie die Aktion
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